Worming a secret out of … Geschichten entlang der Würmer

Als Blockadia*Tiefsee-Mitglied lerne ich die Würmer unserer Wormerys immer wieder neu kennen und folge ihren verschlungenen Pfaden. Seit 2018 erzähle ich mit einer Gruppe Keramik-Würmer Geschichten aus einem Kosmos verlorener Landschaften. Die Wurm-Akteur_ tauchen in verschiedene Habitate zwischen Weird Fiction, Sci-Fi und Fantasy ein. In der brutalistischen Architektur des Offenbacher Rathauses landen die Würmer mit einer raumschiffartigen Hollywood-Schaukel, durchdringen eine Landschaft aus Styropor und seilen sich von den Zwischenebenen des Foyers ab.

Through holes, Mixed Media, 2018, in Blockadia*Tiefsee, Rahthaus & BOK Offenbach

Seit 2024 sind die Kompostwürmer an meinen Materialstudien zu einer plastisch, brennbaren Masse beteiligt. Das Tongemisch wie auch die keramischen Würmer erkundeten zuletzt in München eine traumhafte Welt aus Schlafsäcken, Tümpeln wie Bachläufen und Tarotkarten.

swamped, from pond, to pond, Mixed Media, 2025
in AlmResidency #9, Lothringer 13 Halle, München (Die Gruppenausstellung – mit Rebekka Bauer, Alina Belyagina, Polina Bertou, Kristina Schmidt und mir – fand im Rahmen der AlmResidency, 09/2024, statt.)

swamped
from pond
to pond

Wasser rinnt die Hügel und meinen Nacken entlang, 
schwemmt Korn um Korn in kleine Gebirgstaschen, 
lässt neue Erdgefüge entstehen. 

Im Kniefall erdolche ich die Ränder der Flussbetten bis sich vor mir das erdige Herz der Unterwelt entfaltet. Würmer, Maden, Schnecken, Käfer, Ameisen, Pilze, Wurzeln und Steine erscheinen in den frisch freigelegten Löchern. Meine begehrte Allianz ist die Erde selbst – feucht und matschig. An manchen Stellen finde ich was Wilder Ton sein kann. Von hier an kann die Reise beginnen: 

Den Berg hoch/Wurzelweg
Auf dem Berg/Franzelgraben
Den Berg runter/der Erbenbaum
Am Fuße der Berglandschaft/Überreste einer Materialseilbahn

Auf meinem Weg sammle ich weitere Spuren der heimischen Tonmineralien ein, während sich in mich Fragen der Gerechtigkeit eingraben. Wann, wo und wie darf ich mich bedienen an den Lebensräumen und gleichermaßen Erzeugnissen der mehr-als-menschlichen Anderen? 

Später im Trocknen strecke ich aus Skrupel die Erdproben in meinen Beuteln mit Indoor-Humus und steche die Frage in verschiedene Materialverhältnisse: Was ist eigentlich gerecht? Im Dunkeln umkreisen mich die Gedanken wie Würmer. Meine Schaufel, ein Esslöffel, ist kein Dolch, aber wie oft ersteche ich Lebensräume durch mein Handeln, obwohl ich sie unberührt von mir glaube? Bin ich bereit zum Sturz aus dem Dämmerlicht gebohrter Löcher in einen Morgen, der die Herausforderung des Ökologisch-Werdens annimmt?

links: 

Claire, C (2015) City of Bones

Levy, M., Shibata, T. & Shibata, H. (2022) Wild Clay.

Le Guin, U. K. (1996) ‘The Carrier Bag Theory of Fiction’.

Folkers, A. & Hoppe, K. (2018) ‘Von der Modernisierung zur Ökologisierung’.

Credits Bildergalerie: Magdalena Jooss

swamped, from pond, to pond, 2025

AlmResidency #9, Lothringer 13 Halle, München